18 Feb 2010

EuGH ent­schei­det zu Kün­di­gungs­fris­ten und Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung

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Mit Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­ho­fes (EuGH) vom 19.01.2010, Rs. C-555/07 ist ent­schie­den, dass die deut­schen Ar­beits­ge­rich­te § 622 Abs. 2 S. 2 BGB nicht mehr an­wen­den dür­fen.

§622 BGB re­gelt die Kün­di­gungs­fris­ten bei Ar­beits­ver­hält­nis­sen, wel­che um so län­ger wer­den, je län­ger das Ar­beits­ver­hält­nis be­stan­den hat. Gem. § 622 Abs. 2 S. 2 BGB galt bis­lang je­doch fol­gen­des: Bei der Be­rech­nung der Be­schäf­ti­gungs­dau­er wer­den Zei­ten, die vor der Voll­en­dung des 25. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers lie­gen, nicht be­rück­sich­tigt. In die­ser Nicht­be­rück­sich­ti­gung von Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keits­zeit­en, die vor der Voll­en­dung des 25. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers lie­gen, sah das Ge­richt ei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung. Da­rü­ber hi­naus hat das EuGH aus­ge­spro­chen, dass das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ein „all­ge­mei­ner Grund­satz“ des EU-Rechts ist und in­so­weit den Ge­set­zes­vor­schriften der Mit­glieds­staa­ten vor­geht. Wei­ter­hin ist da­s Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung auch Be­stand­teil des deut­schen Ge­set­zes­rechts (§§ 1, 3, 7, 10 AGG).

Nach al­le­dem darf § 622 Abs. 2 S. BGB bei der Ermittlung der Kün­di­gungsfris­ten kei­ne An­wen­dung mehr fin­den. Dies ist von Sei­ten der Ar­beit­ge­ber bei der Be­rech­nung von Kün­di­gungs­fris­ten vor Aus­spruch ei­ner Kün­di­gung zu be­ach­ten, wie auch von Ar­beit­neh­mern im Fal­le der Überprü­fung ei­ner er­hal­te­nen Kün­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses.

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